Altes Testament 1
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Gebet als Handlung und Geschehen

Interdisziplinäre theologische Fachtagung

31.03.2011 – 01.04.2011

Das Gebet zählt zu den grundlegenden religiösen Lebensäußerungen und nimmt auch im Christentum des 21. Jahrhunderts eine herausgehobene Stellung ein. Indes sind Praxis und Theologie des Gebets vielfältigen Wandlungen unterworfen; tiefgreifende Folgen haben vor allem Neuzeit und Moderne gezeitigt. Die von der Aufklärung, namentlich von Immanuel Kant, artikulierte fundamentale Kritik am Gebet hat nichts weniger als dessen Berechtigung in der religiösen Praxis infrage gestellt. In den evangelischen Kirchen der Gegenwart vollzieht sich öffentliches Beten seitdem zwischen religiöser Verunsicherung und theorieverneinender Emphase. Um eines verantwortlichen Umgangs mit dem Gebet willen sieht sich daher eine moderne Theologie gefordert, eine Gebetstheorie zu formulieren, die gegenüber den religionskritischen Anfragen begründet ist und zugleich der zentralen Bedeutung des Gebets für die individuelle und soziale Religionspraxis entspricht.

Die Tagung soll einen Beitrag zur Formulierung einer solchen Gebetstheorie leisten, indem sie das Phänomen im interdisziplinären theologischen Diskurs untersucht. In einem kulturwissenschaftlichen Horizont sollen dazu biblisch-exegetische, theologiegeschichtliche, systematisch-theologische, religionsphilosophische und religionspsychologische Perspektiven miteinander ins Gespräch gebracht werden.

Die kulturwissenschaftliche Leitfrage, die geeignet ist, die Aspekte zu bündeln und sich zugleich dem Wesen des Gebets anzunähern, betrifft die Wahrnehmung des Gebets als Handlung und Geschehen: Sie nimmt ihren Ausgang beim religiösen Subjekt, das im Gebet ein Ineinander von Aktivität und Passivität erfährt; die willentliche Hinwendung zu Gott geht in die Hingabe an den Willen und das Handeln Gottes über. Die präzise Bestimmung des Verhältnisses zwischen Aktivität und Passivität durch klassische theologische Entwürfe führt freilich in subjektivitätstheoretische Antinomien. Eine neue Perspektive bietet hier die Wahrnehmung des Gebets als Performanzphänomen: Das Gebet drückt nicht nur die religiöse Identität des betenden Subjekts aus, sondern es gestaltet diese. Deshalb ist es als wirklichkeitsverändernde Handlung zu betrachten und nicht als bloßer Text. Was der performanztheoretische Forschungsansatz für die Theorie der Frömmigkeit zu leisten vermag, soll die Tagung im interdisziplinären Gespräch erkunden.

Mitwirkende

Programm

TerminThema

Donnerstag 31. 3.

13.30 h - 14.30 h

Begrüßung

Reinhard Müller

Einführungsvortrag

Miriam Rose:

Gebet als Handlung und Geschehen

Donnerstag 31. 3.

14.45 h - 16.30 h

Gotteslob und Vaterunser

Reinhard Müller:

Gotteslob als Lebenselixier. Frömmigkeit jenseits des Kultes nach Psalm 63

Jutta Leonhardt-Balzer:

Johannes 17 als frühchristliche Auslegung des Vaterunsers

Donnerstag 31. 3.

17.00 h - 18.45 h

Gebetstheorie zwischen Aufklärung und Moderne

Claus-Dieter Osthövener:

Das Gebet in der Aufklärung

Arnulf von Scheliha:

Der Sinn des Gebets. Die Gebetstheorie von Emanuel Hirsch

Freitag 1. 4.

9.00 h - 10.45 h

Handerhebungsgebete und Klagepsalmen

Anna Zernecke:

De profundis laudare. Zum sogenannten "Stimmungsumschwung" in mesopotamischen Handerhebungsgebeten und biblischen Klagepsalmen"

Urmas Nõmmik:

Gebet als Vorsorge. Zwei Thesen zur Entwicklung des alttestamentlichen Klagepsalms

Freitag 1. 4.

11.15 h - 13.00 h

Gebet in der Gegenwart

Wolfgang W. Müller:

Gebet - zwischen Tradition und Innovation. Eine systematische Anfrage

Andreas Kubik:

"Lord - if that is your name". Erwägungen zur Verwendung der Gebetsform außerhalb des kirchlichen Sprachraums

Freitag 1. 4.

13.00 h

Schlusswort

Miriam Rose

Veranstaltungsort: Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft München e.V. (Amalienstraße 38)


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